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Besuch der Wehr-Klosteranlage Convento de Cristo – Castelo de Tomar

Tomar

Nach meinem Besuch beim Aquädukt (Aqueduto dos Pegões), mit dem die Wasserversorgung des Convento de Cristo ab dem frühen 17. Jahrhundert sichergestellt wurde, landete ich gegen Mittag auf dem Camping Municipal in Tomar, der zur Zeit wohl in einen Wohnmobilstellplatz umfunktioniert wird?

Das ist für mich ein prima Platz und vor allem ein zentraler Ausgangspunkt, um die Stadt und die Sehenswürdigkeiten von Tomar zu besichtigen.

Der Ort Tomar wurde im Jahre 1147 von König Dom. Alfonso I von Portugal im Rahmen der Reconquista von den Mauren erobert und im Jahre 1159 dem Templerorden übergeben.

Statue von Gualdim Pais vor dem Rathaus

Im Jahre 1160 wurde durch die Templer mit dem Bau der Burganlage begonnen. Die ersten Stadtrechte erhielt Tomar im Jahre 1162 durch Gualdim Pais, (4. Großmeister des Templerorden in Portugal / Anno 1157) dem auf dem heutigen Rathausplatz ein Denkmal gewidmet ist.

Der Rathausplatz ist übrigens nach Art der „Calçada Portuguesa„, einer charakteristischen portugiesischen Wegpflasterung gestaltet. 

Weg zum Convento de Cristo

So, nun geht es aber endlich zum Convento de Cristo. :templer:

Dafür gehen wir links am Rathaus vorbei, noch einmal links in eine kleine Gasse und dann gleich wieder rechts eine schmale Treppe hinauf, die kurz später Ähnlichkeit mit einem „lasse die Pilger leiden Weg hat“ :lol:

Wer nach einem anstrengenden Pilgertag noch dieses Wegstück herauf muss, der kommt ganz sicher „gebeugten Hauptes“ oben an.

Eingang Castelo de Tomar

Nachdem ich dies jedoch gemeistert hatte, erschienen auch schon die beeindruckenden Mauern des Castelo de Tomar vor mir.

Nach dem Durchschreiten des Tores gelangte ich auf einen gepflasterten Weg, wo ich auch schon bald das beeindruckende Portal des Convento de Cristo in der Ferne erblicken konnte.

 

Vorbei an einer kleinen Gartenanlage ging ich dann auch sogleich ganz selbstverständlich zum riesigen Eingangsportal, von wo ich jedoch zu einer eher unscheinbaren Seitentür – dem Eingang für das Fußvolk nehme ich mal an? – „umgeleitet“ wurde. :-D

 

Nachdem ich den Obolus für die Besichtigung des Convento de Cristo in Höhe von 6 Euro bezahlt hatte, durfte ich auch schon die tollen Hallen betreten und stand auch gleich schon an einem Kreuzgang, von dem weitere Gänge abgingen und einige in einer Kapelle oder Andachtecke ( ? ) endeten.

Vorab gesagt, in dem Bau kann man sich – zumindest beim ersten Besuch – recht gut verlaufen, was mir auch sicher passiert ist. Denn ich habe vor Staunen über die noch erhaltene und auch vergangene Pracht sogar teilweise das Fotografieren vergessen und nur mit großen Augen die Kreuzgänge, Säulenhallen und Azulejos bewundert.

Dieser Bereich stammt übrigens aus der Zeit von Heinrich dem Seefahrer, der ebenfalls dem Christusorden angehörte.

 

Mehr möchte ich dazu zu diesem Zeitpunkt nicht schreiben, da ich eine zeitliche Unstimmigkeit von ca. 2 Jahrhunderten zwischen Wikipedia und anderen Quellen entdeckt habe, die erst noch geklärt werden sollte. :?  Sicher ist jedoch, dass Heinrich der Seefahrer (Infante Dom Henrique de Avis), dem auch die Gründung einer Seefahrerschule im Fortaleza de Sagres zugeschrieben wird, in späterer Zeit als Bauherr am Convento de Cristo mitgewirkt hat.

 

 

 

Schlussstein mit Kreuz des Christusorden

Immer wieder kann man an den Schlusssteinen der Gewölbedecken die Zeichen der Erbauer erkennen, hier das Kreuz des Christusorden, was ebenfalls auf eine Zeit nach 1319 hindeutet.

 

Und weiter geht´s im zentralen Teil der Anlage:

 

Das Heiligtum des Convento de Cristo

 

Wendeltreppe

Im Anschluss gelangt man in einen weiteren Kreuzgang. Von diesem aus gelangt man über eine Wendeltreppe auf das Dach und hat einen tollen Blick über die Umgebung und den umschlossenen Innenhof mit Brunnen.

 

 

 

Apsis / Längsschiff des Kapitelhaus

 

 

Immer wieder gelangt man in weitere Hallen und Kreuzgänge, die kleine Innenhöfe umschließen.

Man weiß gar nicht mehr wo man zuerst hinschauen soll. Die reich verzierten Säulen, die Deckengewölbe, die Wände oder sogar auf den Boden selbst?

Ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls stellte sich bei mir – bei der Schönheit dieser Umgebung – eine heftige Reizüberflutung meiner Sinne ein. Wie mag das hier nur alles einmal vor Jahrhunderten ausgesehen haben?

Mittlerweile wissen wir ja, dass die Antike und das Mittelalter nicht eintönig grau, sondern sogar ziemlich bunt waren.

Längsschiff Kapitelhaus

Kurz später kam ich zu dem wohl bekanntesten Fenster in Portugal, dem „manuelinischen Fenster“ am Längsschiff des Kapitelhaus.

Der Manuelinische Stil ist ein prunkvoller Architekturstil, der nach König Manuel dem I von Portugal benannt ist und nur im frühen  16. Jahrhundert im Königreich Portugal auftrat. 

Das Fenster ist mit pflanzlichen Motiven, Tauwerk, Korallen und dem Kreuz des Christusorden geschmückt. (Zwischen 1510 und 1513 durch die Architekten Diogo de Arruda (Portugal) und João de Castilho (Spanien)

Fenster im manuelischen Stil

Unterhalb des Fensters befindet sich ebenfalls ein Kreuzgang, an dem ich diese beiden lustigen „Figuren“ vorfand. ;-)

 

Plötzlich befand ich mich im Bereich der Klosterzellen, ein dunkler Gang, von dem weitere Gänge abgehen. Hinter den kleinen Türen befinden sich die winzigen und kargen Schlafräume der Mönche.

 

Das Refektorium (Speisesaal) der Mönche, fertiggestellt um 1535

Refektorium – um 1535

Sehr beeindruckend war auch der Küchenbereich, hier kann man auch noch den „Dreigesichtigen Kopf“, der auch als Symbol (evtl. der Dreifaltigkeit?) bei den Templern Verwendung fand, im Deckengewölbe erkennen.

Schlussstein im Deckengewölbe mit dreigesichtigem Kopf (Baphomet)?

Die Abbildung des dreigesichtigen Kopfes wurde in den meist unter der Folter erzwungenen Geständnissen als „Baphomet“ missgedeutet. Was mit dem Begriff „Baphomet“ nun wirklich gemeint ist, darüber kann nur spekuliert werden, da die vorhandenen Quellen darüber selbst sehr spekulativ sind. Zur Zeit der Templerprozesse wurde er als Götzenbild oder Teufel, Dämon angesehen, der von den Templern angebetet worden sein soll. 

Aufnahmen aus dem Küchenbereich:

 

Neben dem Küchenbereich befindet sich ein weiterer Kreuzgang mit tollen Säulen und Verzierungen.

 

Leider hatte ich für die Besichtigung dieses wundervollen Ortes nur eine Zeitspanne von wenigen Stunden. Es war sehr heiß und ich wollte den Hundini nicht so lange alleine in der Hütte lassen.

Aber ich werde ganz sicher wieder kommen und mir das Convento de Cristo und das Castelo de Tomar nochmal anschauen. 

Bei meinem nächsten Besuch werde ich auch ein wenig vorbereiteter sein und mich vorab noch einmal über das Convento de Cristo informieren, damit ich auch alle Sehenswürdigkeiten gleich richtig zuordnen kann.

Ich hoffe, euch hat der Beitrag gefallen und ihr seid selbst neugierig auf diesen Ort geworden.  :)

 

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