Portugal-Spanien 2016/2017, Überwinterung mit Wohnmobil 2016 - 2017, Wohnmobil

Die Templerburg Castelo de Almourol inmitten des Rio Tejo

Drei versuche habe ich nun gebraucht, um mir endlich diese sagenumwobene Festung der Tempelritter anzuschauen.

Um es vorab zu sagen, es hat sich gelohnt. :templer:

Castelo de Almourol

Im September des letzten Jahres habe ich es schon einmal versucht aber leider die letzte Fähre verpasst und wollte nicht auf den nächsten Tag warten.  :wallbash: (gaaanz blöde Idee) Bei meinem zweiten Versuch, heute Vormittag, kam ebenfalls keine Fähre vorbei. Mittlerweile ganz leicht gefrustet bin ich dann erst einmal einkaufen gefahren und dabei habe ich mir dann vorgenommen, richtig viel einzukaufen und so lange vor der Burg stehen zu bleiben, bis ich da endlich hinein darf.

Warten auf die Fähre

Fährboot zum Castelo

Und wie ich da so vor der Burg wartete, kam auch plötzlich das Fährboot daher, was ich dann auch sofort „entern“ konnte.

Nach einer kurzen Überfahrt auf dem Rio Tejo, kamen wir auch schon nach wenigen Minuten an der Anlegestelle der Insel an und das Abenteuer Burgbesichtigung konnte beginnen.

 

Der Rio Tejo (In Spanien Tajo genannt) ist übrigens mit 1007 Km der längste Fluß der Iberischen Halbinsel. Er entspringt in der Sierra de Albarracin / Spanien und mündet bei Lissabon / Portugal in den Atlantik.

Von der Anlegestelle ging es auf schmalen Pfaden den Burgfelsen hinauf. Der Felsen ist dicht mit Bäumen, Sträuchern und auch Kakteen bewachsen. Überall ziehen sich kleine Pfade entlang der Burgmauer durch das Gestrüpp.

Eingang zur Vorburg

Und dann stand ich nach einer kleinen Biegung unvermittelt vor dem Tor, das sich von mir mit einem lauten, rostigen „knarren“ und „quietschen“ öffnen ließ. Das Quietschen passte gut zu dem Tor mit den eisernen Riegeln und auch zu diesem geschichtsträchtigen Ort.

Wachen konnte ich keine entdecken, vermutlich erscheinen die weiß gewandeten Ritter mit dem blutroten Tatzenkreuz auf der Brust heute erst um die Mitternachtsstunde. :templer:

Das beruhigte mich nun doch ein wenig, denn sonnengebräunt wie ich gerade bin, hätte man mich durchaus mit einem glatzköpfigen Mauren verwechseln können, der gerade die Burg ausspionieren will.  :sarazene:

Nachdem ich eingetreten war, fand ich mich in einer Art „Vorburg“ wieder, zumindest war dieser Bereich noch einmal durch eine Mauer und ein Tor vom Hauptteil der Burg – mit dem Burgfried – abgetrennt.

Eingangsbereich nach dem Haupttor

Links an der Burgmauer sieht man richtig gut, wie die Burg in die Felsen hinein gebaut wurde. Geradeaus befand sich vermutlich einmal der Versorgungsbereich der Burg.

Man kann auf den obigen Fotos noch sehr schön die Balkenlagen unterhalb der Brustwehr erkennen, die wohl die Überdachung des Versorgungsbereiches, sowie eine Verteidigungsplattform gestützt haben könnten.

Zugang zum Hauptteil mit dem Burgfried

Der Weg führt nun leicht ums Eck herum, so dass ich nun auch das zweite Tor zum Hauptbereich erkennen konnte.

Auch hier waren glücklicherweise keine Wachen und ich konnte ohne lange Erklärungsversuche durch das Tor schreiten.

Am nicht mehr originalen Tor kann man noch die massiven Halterungen und die Balkenlage für den obligatorischen Querbalken des ursprünglichen Tores im Stein erkennen.

Bei meinem nun folgenden Blick in den Innenhof stockte mir der Atem ….. Ich habe bereits unzählige Burgen und alte Gemäuer besucht aber so etwas schönes hatte ich bisher nur sehr selten gesehen.

Burghof, Aufgang zu den Zinnen und der Brustwehr

Es ist vielleicht kein spektakuläres Foto aber versucht das Bild oben und die Galerie unten einmal mit meinen Augen zu sehen, die Farben des Steines schimmern im Sonnenlicht, in meinem geistigen Auge befinde ich mich zur Zeit im 12. Jahrhundert und um mich herum herrscht ein reges treiben. Burgwachen, weiß gewandete Tempelritter und Ordensbrüder wuseln herum und gehen ihrem Tagesgeschäft nach ….. :templer:

Dieser Bereich des Innenhofes war vermutlich ebenfalls einmal zumindest teilweise Überdacht oder mit Wehrplattformen versehen. Darauf kann man zumindest aus den Balkenlagen unterhalb der Brustwehr und den Zinnen schließen.

Wehrgang

Nachdem ich die ersten überwältigenden Eindrücke erst einmal „vorverdaut“ hatte, kämpfte ich mich die Treppe zum Wehrgang herauf. (Die Treppenstufen sind ca. zwei bis drei mal so hoch, wie wir es heute von Treppen gewohnt sind.)

Wenn ich mir vorstelle, wie die Wachen in voller gewichtiger Montur mehrfach täglich dort rauf und wieder runter mussten …

Uiiiii – Super-Mega heftig!

Vom oberen Treppenabsatz führt ein Wehrweg zu einem kleinen Erker mit Zinnen. Rechts und links des Weges befinden sich ebenfalls Zinnen. Dieser Bereich zeigt ganz deutlich, wie genial die Baumeister des Castelo de Almourol damals vorgegangen sind. ;-)

Wehrgang im Hauptteil der Burg

Dieser Bereich liegt nämlich von der Lage und der Bauhöhe über der Vorburg mit den Wirtschaftsbereichen. ;-)

Dies bedeutet, dass von diesem Standort aus eine Verteidigung in Richtung Tejo und in Richtung der Vorburg möglich war, falls die Vorburg einmal durch angreifende Truppen eingenommen wurde.

Die obigen Ausführungen zur Bauweise und den dadurch geschaffenen Verteidigungsmöglichkeiten werden nun vermutlich nicht jeden von euch wirklich interessieren aber mir geht bei einem solch durchdachten Bauwerk einfach das „Herz in meiner Brust“ auf. Immerhin ist dies Bauwerkskunst aus dem 11 oder 12 Jahrhundert, das sollte man nicht vergessen ;-)

Blick von der Wehrmauer auf den Tejo

 

Zugang zum Burgfried

So, nun verlassen wir den Bereich der Wehrmauer und begeben uns in den Burgfried. Der Burgfried war in diesen Zeiten der letzte Rückzugsort, wenn die Burg eingenommen wurde. Hier konnte man dann nur noch auf Verstärkung warten, aufgeben, mit schlechten Karten verhandeln oder … Nun ja  :pfeif:

Im unteren Bereich des Burgfried befinden sich erst einmal mehrere Infotafeln, die über das Castelo de Almourol informieren. Dann geht es eine Treppe hinauf, bis zur neumodischen Besucherplattform aus Metall.

Schade, dass man bei diesen Ruinen nicht wenigstens einen kleinen Teil der Bausubstanz wieder im Original rekonstruiert, denn der Burgfried hatte sicher mehrere Etagen und nicht nur eine mit Fenster.

 

Balkenlager vom ehemaligen Dachstuhl

Oben befindet sich eine „Besucher“-Plattform, man hat die darunter liegenden ursprünglichen Balkenlagen für das Dach zugemörtelt und darauf eine Metallkonstruktion gesetzt, damit man den Turm besichtigen kann und er vor weiterem Verfall geschützt wird.

Von der Plattform des Burgfried hat man eine tolle Rundumsicht über die Umgebung des Castelo de Almourol und den Rio Tejo. Man kann sich nur schwer vorstellen, wie das hier vor Jahrhunderten ausgesehen hat.

So, das war es leider schon, nun aber wieder zurück zum Fährmann, bevor ich zurück schwimmen muss :lol:

Die Rückfahrt ….. :-(

 

Castelo de Amourol bei Nacht

Die Nacht verbrachte ich vor der Burg, die hell erleuchtet ein sehr erhabenes Aussehen zur Schau stellte.

Bei einem abschließenden Glas Rotwein versuchte ich die tollen Eindrücke des Tages zu verarbeiten. Das Castelo de Almourol ist für mich eine sagenhaft tolle Burg, ich bin richtig begeistert von der durchdachten Bauweise, sowie dem heutigen Erhaltungszustand und werde ihr ab sofort jedes Jahr sicher einen „Pflichtbesuch“ abstatten. Der Fährpreis (Eintrittspreis?) liegt bei 2,50 Euro, was ich für absolut lächerlich gering halte, wenn man bedenkt was man dafür zu sehen bekommt und damit auch gleichzeitig den Arbeitsplatz des Fährmanns sichert.

Ein lächerlicher Betrag für dieses Erlebnis

Weitere Infos zum Castelo de Almourol:

Das Castelo de Almourol bestand als Castelo Almorolan bereits im Jahre 1129.

Auf dieser Insel inmitten des Rio Tejo soll sich auch schon während der Zeit des Römischen Reiches ein befestigtes römisches Militärlager befunden haben.

Der Templerorden (Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem) bekam das Castelo vermutlich in den Jahren nach 1129, nach der Vertreibung der „Mauren“ aus diesem Gebiet, übertragen. Der Templerorden begann mit dem Wiederaufbau vermutlich um die Jahre 1160 / 1171.

Nach 1307 war das Castelo de Almourol, zusammen mit der Templerfestung von Tomar, auch einer der Rückzugsorte während der Verfolgung der Templer in Frankreich und Spanien.

Koordinaten: Google Maps Link

Weiterführende Links:

Visit Portugal – Castelo de Almourol

WiKi Templerorden

 

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